Erst einmal muss gesagt sein, dass ich an dieser Stelle und im Laufe des Berichts kein Mitleid von einem der Leser erwarte, da ich mich selbst, mit offenen Augen und vollständig informiert, auf dieses Abenteuer eingelassen habe. ;)
Am Freitag Nachmittag haben wir uns alle, noch gänzlich relaxt, auf der Uni zur Abfahrt nach Stradbroke Island versammelt. Nachdem einige logistische Schwierigkeiten geklärt waren (zu wenige Autos für zu viele Leute + Gepäck), konnten wir uns unbeschwert auf den Weg machen. Einige Leute hatten wohl die Absicht, sich häuslich auf der Insel niederzulassen und zu dem Zweck gleich mal den ganzen Hausstand eingepackt (Bevor hier falsche Vermutungen aufkommen: Ich habe zum Glück gar nicht so viel Zeug!). Die Fährenfahrt war wie immer angenehm, wenn auch ein bisschen kalt, aber mit wunderbarer view auf den Sonnenuntergang. Dafür war es dann aber auch stockfinster, als wir endlich ca. gegen 6 Uhr den Campingplatz erreicht haben.
Zelt aufbauen im Dunklen ist ein Spaß! "Kann mal jemand eine Lampe bringen?", "Was? Wir haben nur eine?", "Ist das ein Teil von meinem Zelt oder von deinem?", "Verdammt, ich habe die Haken ausgestreut!" Solche und ähnliche Konversationen fanden zu diesem Zeitpunkt in völliger Dunkelheit dort statt (Das Bild links zeigt die nicht weniger stümperhaften Abbauversuche am Sonntag). Nachdem wir es mysteriöser Weise aber doch geschafft haben die Zelte einigermaßen stabil aufzubauen, kam schon der erste Ruf unserers *hust* Peinigers *hust* und wir begaben uns folgsam wie die Lämmchen zum Strand. Ein Strand bei Nacht unter Sternenhimmel ist nur halb so romantisch, wenn man gerade im Eiltempo durch die Gegend gehetzt wird. Ein paar push-ups da, ein paar sit-ups hier und dazwischen ein bisschen Herumgerenne. Wer wird denn da gleich müde werden? Und dann noch ein paar Techniken, die aufgrund mangelnder Sicht, nur verbal angeordnet werden können. Man kann sich das Chaos vorstellen. Zum Schluss sind jedenfalls alle halbtod im Sand gelegen und haben nach Atem gerungen. Und dann ging das Training los.
Nach einer "erholsamen" Nacht im Zelt bei eisigen Temperaturen (Jeder der mich kennt, weiß, dass ich immer halberfroren bin, wenn es nicht wenigstens 25 Grad im Zimmer hat als optimale Schlaftemperatur.) und nachdem ich in der Nacht alle 10 Minuten aufgewacht bin, war ich dann in der Früh komplett zerschlagen. Aber da gibt es keine Gnade. Um 6 Uhr wird zum Apell geblasen und dann geht auch schon die erste Trainingseinheit des Tages los. Und wieder Laufen, Laufen, Laufen, Techniken, Krafttraining, Sparring (= Freikampf), Sterben. Stattgefunden hat das Training aber in wunderschöner Umgebung am Strand bei Sonnenaufgang. Leider war nicht der Sonnenaufgang "atemberaubend", sondern eher die 50 knee-ups. Um das ganze Elend zu verkürzen: Der Tagesplan am Samstag lautete folgendermaßen:
2. 08:00-09:30 Frühstück
3. 09:30-11:30 2. Einheit
4. 11:30-13:30 Mittagspause
5. 13:30-15:30 3. Einheit
6. 16:00-18:00 4. Einheit
Also kurz gesagt: Training von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, im wahrsten Sinne des Wortes. Am Abend ging es dann noch nach dem "lockeren" Tag in ein nahegelegenes Pub zum Abendessen. Nach einem Bier hat man sicher jedenfalls wieder fast wie ein Mensch gefühlt. Die zweite Nacht habe ich dann jedenfalls, trotz Kälte und komischen Geräuschen unbekannten Ursprungs, im komatösen Zustand verbracht. Trotzdem war ich unerklärlicherweise am Sonntag morgen um 6 Uhr nicht wirklich fit und ausgeschlafen. Zum Glück waren es ja nur zwei "entspannte" Einheiten bis zu Mittag, die ich doch irgendwie durchgestanden habe.
Obwohl ich zeitenweise das Gefühl hatte, eigentlich schon bewusstlos zu sein und nur mein Unterbewusstsein hat weitertrainiert, war das Ganze wirklich ein Erlebnis. Abgesehen von der ganzen Plagerei, waren die Leute alle wirklich gut drauf und die Zeit ist extrem schnell vergangen. Leider muss ich sagen, dass mein Selbstbewusstsein ein bisschen angeknackst ist, nachdem ich gesehen habe, wie fit die Australier sind. Da kann ich wohl komplett einpacken. Während die locker flockig in der Gegend herumrennen, bin ich wie ein hundert Jahre alter Köter mit hängender Zunge hinterhergezockelt. Naja, dafür war ich dann beim Biertrinken ganz vorn dabei (man kann leicht zu trauriger Berühmtheit gelangen ;). Es hat wirklich viel Spaß gemacht und meine Club-Genossen sind alle sehr nett. Trotzdem reicht mir ein Trainingslager im "Aussie-Stil". Nächstes Jahr bin ich wieder mit dem Heimatverein in Porec vertreten und da heißts wieder "Vuulgaas geben"! XD